Schwierige Gefühle anerkennen

Im Gesundheitswesen entstehen täglich intensive emotionale Reaktionen – auf Patient:innen, Angehörige, Kolleg:innen, auf das System. Viele davon gelten als „unprofessionell“: Ekel, Scham, Wut, Hilflosigkeit, Ambivalenz. Doch unterdrückte Gefühle verschwinden nicht. Sie wirken – im Körper, im Verhalten, in der Beziehungsqualität. Gefühle anzuerkennen bedeutet nicht, ihnen nachzugeben, sondern: sie wahrzunehmen, zu verstehen und bewusst zu handeln.

Warum das Thema wichtig ist:

Emotionale Reaktionen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Menschlichkeit und professioneller Präsenz. Die Emotionsregulationsforschung (Gross, 1998) zeigt: Wer Gefühle unterdrückt (Suppression), erlebt höhere physiologische Belastung und schlechtere Entscheidungsqualität. Wer sie hingegen wahrnimmt und reguliert (Reappraisal), bleibt handlungsfähiger und resilienter. Besonders Tabugefühle wie Ekel oder Scham brauchen einen sicheren Rahmen – innerlich und im Team – um integriert werden zu können, ohne professionelles Handeln zu beeinträchtigen.

Zentrale Grundlagen

Praktische Impulse für den Alltag

Quellen & weiterführende Literatur

Epstein, R. M. (2017). Attending: Medicine, Mindfulness, and Humanity. Scribner. | Greenberg, L. S. (2002). Emotion-Focused Therapy. APA. | Gross, J. J. (1998). The Emerging Field of Emotion Regulation. Review of General Psychology, 2(3), 271–299. | Hayes, S. C., Luoma, J., Bond, F., Masuda, A., & Lillis, J. (2006). Acceptance and Commitment Therapy. Behaviour Research and Therapy, 44(1), 1–25. | Nussbaum, M. C. (2004). Hiding from Humanity: Disgust, Shame, and the Law. Princeton University Press. | Winnicott, D. W. (1949). Hate in the Counter-Transference. International Journal of Psychoanalysis, 30, 69–74.